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Cannabis düngen: NPK-Plan, Mengen & Zeitpunkt [Tabellen-Guide]

Futuristische Cannabis-Pflanze im Cyberpunk-Stil mit leuchtenden Wurzeln, die Nährstoffe aufnimmt – Symbolbild für optimale Cannabis-Düngung und gesundes Wachstum.
Futuristische Cannabis-Pflanze im Cyberpunk-Stil mit leuchtenden Wurzeln, die Nährstoffe aufnimmt – Symbolbild für optimale Cannabis-Düngung und gesundes Wachstum.

Cannabis düngen: NPK-Plan, Mengen & Zeitpunkt [Tabellen-Guide]

Jeder Gärtner träumt von kräftigen Pflanzen und dicken, aromatischen Blüten. Doch Cannabis ist eine anspruchsvolle Pflanze – oft als Starkzehrer bezeichnet. Um ihr volles Potenzial zu entfalten, benötigt sie mehr als Wasser und Licht: Sie braucht die richtige Nahrung, in der richtigen Phase, in der richtigen Menge.

In diesem Guide erfährst du alles über das Cannabis düngen: das optimale NPK-Verhältnis pro Phase, Dosierung nach Substrat, wie du Über- und Unterdüngung sofort erkennst – und welche Fehler du als Anfänger zwingend vermeiden solltest.

📋 TL;DR:
Wachstum: NPK ca. 3-1-2. Blüte: 1-3-2. Spätblüte/Spülen: nur Wasser. Erde-pH 6,0–7,0, Kokos/Hydro 5,5–6,5. Erste Wochen unterhalb der Herstellerangabe (50–75 %), dann hochfahren wenn die Pflanze "ruft".


1. Die Grundlagen: Was deine Pflanze wirklich braucht (NPK)

Bevor wir über Dosierungen sprechen, müssen wir verstehen, was auf den Düngerflaschen steht. Die drei Hauptnährstoffe (Makronährstoffe) sind Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K).

  • Stickstoff (N): Der Motor des Wachstums. Essenziell für die Bildung von Blättern, Stängeln und für die Chlorophyllproduktion (die grüne Farbe).
  • Phosphor (P): Wichtig für die Wurzelentwicklung in jungen Stadien und absolut kritisch für die Bildung von großen, dichten Blüten.
  • Kalium (K): Reguliert den Wasserhaushalt, stärkt das Immunsystem der Pflanze und unterstützt den Stoffwechsel.

Wichtig: Neben NPK benötigt Cannabis auch Sekundär- und Mikronährstoffe wie Kalzium (Ca), Magnesium (Mg), Schwefel (S), Eisen (Fe), Zink (Zn), Mangan (Mn), Bor (B), Kupfer (Cu) und Molybdän (Mo). Ein hochwertiger Cannabis-Dünger deckt diese meist automatisch ab.


Cannabis NPK-Düngeplan-Infografik: Stickstoff-, Phosphor- und Kalium-Verhältnisse über die 5 Wachstumsphasen vom Sämling bis zum Spülen
📊 NPK-Düngeplan über 14 Wochen: Sämling 0-0-0, Veg 3-1-2, Frühe Blüte 2-2-2, Hauptblüte 1-3-2, Flushing 0-0-0.

2. NPK-Plan pro Wachstumsphase (Tabelle)

Der Nährstoffbedarf der Cannabispflanze verändert sich drastisch im Laufe ihres Lebenszyklus. Diese Tabelle zeigt dir das ideale NPK-Verhältnis und die Dosierung pro Phase:

Phase Dauer NPK-Verhältnis EC-Wert Anmerkung
Keimling (Woche 1–2) 10–14 Tage 0-0-0 (kein Dünger) 0,4–0,6 Nur Wurzelstimulator, sehr leichtes Wasser
Sämling / frühe Veg (Woche 2–4) 14 Tage 2-1-1 (sehr schwach) 0,8–1,0 50 % der Hersteller-Dosis
Vegetative Phase (Woche 4–8) 2–4 Wochen 3-1-2 oder 3-2-1 1,2–1,6 Stickstoff-betont, kräftige Blattmasse
Übergang / Vorblüte 1–2 Wochen 2-2-2 ausgewogen 1,4–1,6 Pflanze stellt um
Frühe Blüte (Woche 1–3) 3 Wochen 1-2-2 1,6–1,8 Phosphor und Kalium hoch
Hauptblüte (Woche 3–6) 3 Wochen 1-3-2 1,8–2,0 Maximaler Knospenaufbau
Spätblüte (Woche 6–7) 1 Woche 0-3-3 1,4–1,6 Stickstoff runter
Spülphase / Flushing 7–14 Tage 0-0-0 (nur Wasser) < 0,4 pH-Wasser, Reserven aufbrauchen

Detaillierte EC-Werte und Umrechnungen findest du im EC/TDS/PPM-Guide.


3. Dosierung nach Substrat (Tabelle)

Die gleiche Pflanze braucht in Erde, Kokos und Hydroponik unterschiedliche Dosen. Erde puffert; Kokos und Hydro nicht. Mehr im Substrat-Vergleichs-Guide.

Substrat Dosier-Start EC-Limit pH-Bereich Düngehäufigkeit
Erde (organisch) 30–50 % Hersteller 1,2–1,6 6,0–7,0 Alle 2–3 Gießen
Erde (mineralisch) 50–75 % Hersteller 1,4–1,8 6,0–6,8 Jedes Gießen, abwechselnd Wasser
Kokos 75–100 % Hersteller 1,6–2,2 5,8–6,2 Jedes Gießen, mit 10–20 % Runoff
Hydroponik 100 % Hersteller 1,6–2,4 5,5–6,0 Konstant in Lösung, EC-Drift überwachen
Living Soil 6,0–7,0 Top-Dressing alle 4–6 Wochen, Komposttee

💡 Pro-Tipp: Eine digitale Feinwaage (0,01 g) ist Pflicht für präzise Dünger-Dosierung – grobe Messlöffel überdosieren regelmäßig um 20–40 %.


4. Organisch vs. Mineralisch: Welcher Dünger ist besser?

Dies ist eine Glaubensfrage unter Growern. Hier der direkte Vergleich:

Eigenschaft Organischer Dünger (Bio) Mineralischer Dünger (Synthetisch)
Wirkung Langsam (muss erst von Mikroorganismen im Boden zersetzt werden) Sofort verfügbar für die Pflanze
Geschmack Gilt oft als aromatischer und komplexer Kann bei falscher Anwendung "chemisch" schmecken
Anwendung Verzeiht Fehler leichter (schwerer zu überdüngen) Erfordert Präzision und Messgeräte
Kosten pro Saison Mittel (Pellets, Komposttee, Wurmhumus) Niedrig pro Liter, aber häufiger nachkaufen
Substrat Erde, Living Soil Kokos, Hydroponik (zwingend), Erde
Für wen? Anfänger & Qualitäts-Liebhaber Fortgeschrittene & Ertrags-Maximierer

Wer den organischen Weg ernst nimmt, sollte sich den Living-Soil-Guide ansehen – das ist Cannabis-Gourmet auf Profi-Niveau.


5. Der pH-Wert: Der stille Killer

Du kannst den besten Dünger der Welt haben – wenn der pH-Wert nicht stimmt, kann die Pflanze ihn nicht aufnehmen. Dies nennt man einen Nährstoff-Lockout. Bei falschem pH zeigt die Pflanze Mangelerscheinungen, obwohl genug Dünger im Substrat ist.

  • Erde: Der ideale pH-Wert liegt zwischen 6,0 und 7,0.
  • Kokos: 5,8 – 6,2.
  • Hydrokultur: 5,5 – 6,0.

Pro-Tipp: Miss den pH-Wert nachdem du den Dünger ins Wasser gemischt hast – Dünger verändert den pH oft um 0,3–0,8. Wie genau du das machst, steht im pH-Wert-Guide.


6. Mangelsymptome erkennen: Komplett-Tabelle

Wenn deine Pflanze nicht so wächst wie sie soll, liegt es fast immer an Nährstoff-Lockout (pH falsch) oder einem konkreten Mangel. Diese Tabelle hilft dir bei der Diagnose:

Nährstoff Symptom Ort am Blatt Ursache
Stickstoff (N) Untere Blätter werden hellgelb, fallen ab Ältere Blätter zuerst Mobilität: hoch
Phosphor (P) Lila/violette Stiele, dunkle Flecken, langsames Wachstum Untere Blätter Oft pH-Lockout in Erde
Kalium (K) Braune Blattränder ("verbrannt"), gelbe Flecken Ältere Blätter Häufig in der Blüte
Kalzium (Ca) Braune Flecken, Blattverformung, Blütenfäule (Tip Burn) Neue Blätter / Triebspitzen Häufig in Kokos & Hydro
Magnesium (Mg) Gelb zwischen den Blattadern (Adern bleiben grün) Mittlere Blätter Häufig unter LED, Kokos
Eisen (Fe) Hellgelbe junge Blätter, Adern grün Neue Blätter zuerst pH zu hoch (Lockout)
Zink (Zn) Verzwergte Triebspitzen, schmale verdrehte Blätter Neue Blätter Selten, oft pH-bedingt
Mangan (Mn) Gelb mit braunen Pünktchen zwischen Adern Mittlere/neue Blätter pH zu hoch
Bor (B) Verkrümmte/abgestorbene Triebspitzen Neue Triebe Selten, Wassermangel

Vertiefend: Im Mangel-Diagnose-Guide findest du Bilder zu jedem Symptom plus konkrete Behandlung.


7. Überdüngung (Nutrient Burn) erkennen und beheben

Das häufigste Problem bei Anfängern – "viel hilft viel" ist hier falsch!

Symptome der Überdüngung:

  • Blattspitzen werden gelb oder braun und wirken "verbrannt"
  • Dunkelgrüne, krallenförmige Blätter (Adlerkrallen)
  • Glänzende, fast lackiert aussehende Blattoberfläche
  • Stehender Wachstumsschub trotz scheinbar guter Versorgung

Sofortmaßnahmen:

  1. Substrat spülen: Mit der dreifachen Topfmenge an pH-reguliertem Wasser durchspülen, bis Runoff-EC unter 1,0 mS/cm.
  2. Dosis halbieren: Bei der nächsten Düngung 50 % weniger geben.
  3. Runoff messen: Falls du Kokos/Hydro fährst, regelmäßig Runoff-EC und -pH messen. Mehr im Runoff-Analyse-Guide.

8. Spülen vor der Ernte (Flushing)

Etwa 1 bis 2 Wochen vor der Ernte solltest du aufhören zu düngen und nur noch mit reinem (pH-reguliertem) Wasser gießen. Dies zwingt die Pflanze, ihre gespeicherten Reserven aufzubrauchen, was den Geschmack der Blüten deutlich verbessert.

So erkennst du, dass Spülen klappt:

  • Untere/mittlere Blätter beginnen zu vergilben (Stickstoff-Abbau)
  • Runoff-EC sinkt von ~1,8 auf < 0,4 mS/cm
  • Trichome werden milchig-bernstein

Wer nicht spült, riskiert kratzigen Rauch, schlechten Geschmack und schwarz-knisternde Asche. Spülen ist die einfachste Maßnahme für ein Top-Shelf-Endprodukt – kombiniere es zwingend mit dem korrekten Trocknen & Curen.


9. Die häufigsten Düngungs-Fehler

  1. "Viel hilft viel": Cannabis ist sensibler als Tomaten. Lieber 50 % unterdüngen als 10 % überdüngen.
  2. pH ignorieren: Nährstoffe sind nutzlos, wenn pH 7,5 ist und die Pflanze sie nicht aufnehmen kann.
  3. Mehrere Dünger mischen ohne Plan: Einzelne Mineraldünger zu kombinieren erfordert Erfahrung. Anfänger: Komplett-Linie eines Herstellers nutzen.
  4. Dünger im trockenen Substrat: Immer erst leicht vorwässern, dann düngen – sonst Wurzelverbrennung.
  5. Spülen vergessen: Macht den Unterschied zwischen "raucht furchtbar" und "schmeckt himmlisch".
  6. Zu früh düngen: Sämlinge brauchen die ersten 10–14 Tage NICHTS außer Wasser und einem leichten Wurzelstimulator.

FAQ: Häufige Fragen zum Cannabis düngen

Wann fange ich mit dem Düngen an?

Frühestens 10–14 Tage nach der Keimung, und auch dann nur sehr leicht (50 % Hersteller-Dosis). Die ersten beiden echten Blattpaare sollten ausgebildet sein. In der Vorzucht reichen erst Wasser und ein Wurzelstimulator.

Welches NPK-Verhältnis brauche ich in der Blüte?

In der Hauptblüte (Woche 3–6 der Blüte) ein Verhältnis von etwa 1-3-2 – also wenig Stickstoff, viel Phosphor, hohes Kalium. In der Spätblüte (letzte 1–2 Wochen vor Spülen) sogar 0-3-3.

Wie viel Dünger pro Liter Wasser?

Hängt vom Hersteller und der Phase ab. Faustregel für Anfänger: Starte bei 50 % der Empfehlung auf der Flasche und erhöhe nur, wenn die Pflanze keine Mangelsymptome zeigt. EC-Wert messen ist Pflicht: Vegetativ ca. 1,2–1,6, Blüte 1,6–2,0.

Soll ich Cannabis vor der Ernte spülen?

Ja, 1–2 Wochen mit reinem, pH-reguliertem Wasser. Das verbessert Geschmack und Abbrand erheblich. Bei Living Soil und manchen organischen Setups kann auf das Spülen verzichtet werden, da die Pflanze keine mineralischen Salze gespeichert hat.

Organischer oder mineralischer Dünger – was ist besser?

Für Anfänger und Erde: Organisch (verzeiht Dosier-Fehler). Für Kokos/Hydro und Ertrags-Maximierung: Mineralisch (sofort verfügbar, präzise dosierbar). Beste Aromen liefert oft die organische Schiene mit Living Soil.

Wie erkenne ich Überdüngung?

Verbrannte/braune Blattspitzen, krallenförmige (sich nach unten biegende) dunkelgrüne Blätter, glänzend-lackierte Blattoberfläche. Sofort mit klarem pH-Wasser durchspülen und Dosis halbieren.

Welche Mikronährstoffe braucht Cannabis?

Kalzium, Magnesium, Schwefel (Sekundär) sowie Eisen, Zink, Mangan, Bor, Kupfer, Molybdän (Mikro). Komplett-Düngerlinien decken alle ab; bei reinem NPK-Setup zwingend Cal-Mag separat dazudosieren – v.a. unter LED und in Kokos.

Kann ich Hausmittel zum Düngen nutzen?

Ja, mit Vorsicht: Bananenschalen-Tee (Kalium), Brennnesseljauche (Stickstoff), Kompost (alles in geringer Konzentration), Holzasche (Kalium, aber pH-Pusher!). Nicht empfehlenswert: Kaffeesatz pur (zu sauer, schimmelt).


Fazit: Weniger ist oft mehr

Die Düngung von Cannabispflanzen ist keine Hexerei, erfordert aber Beobachtungsgabe. Beginne immer mit einer niedrigeren Dosis als auf der Verpackung angegeben (ca. 50–75 %) und steigere sie nur, wenn die Pflanze gesund aussieht und mehr fordert. Achte auf den pH-Wert, miss den EC-Wert in Kokos/Hydro – und höre auf die Signale deiner Pflanzen.

Mit der richtigen Balance aus Nährstoffen, Substrat-Auswahl und einem soliden NPK-Plan wirst du mit einer reichen Ernte und potenten Blüten belohnt.


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